Wie reagiere ich auf ein schlechtes Zeugnis?


Wie reagiere ich auf ein schlechtes Zeugnis?

 

Ganz einfach: So wie es Eltern selbst für sich wollen, wenn sie beurteilt werden: Keine Vorwürfe (das habe ich doch immer schon gesagt). Keine Belehrungen (du hättest mehr lernen sollen, ich habe es immer gesagt)

Erinnern Sie sich an alle Lebensläufe, dort steht: Hauptschulabschluss oder Realschulabschluss oder Abitur, danach kommt Lehre, oder Studium etc. für die einzelnen Noten und Zeugnisse interessiert sich keiner mehr. Was bleibt ist: Habe ich in der Schule gelernt zu überleben, oder bin ich fertiggemacht worden und beschädigt worden. Haben mich meine Eltern darin bestärkt mit unterschiedlichen Menschen (Lehrern) zurechtzukommen, so gut es geht, oder bin ich aufgefordert worden meine Integrität zugunsten besserer Noten zu opfern? Waren meine Noten wichtiger als ich? Das kann doch nicht sein!

Schule – wie sie heute leider zu oft praktiziert wird – dürfen wir nicht zu wichtig nehmen, sonst macht sie unsere Beziehungen in der Familie krank. Schule ist nicht so wichtig, Bildung schon. Und wie schaffen wir es, dass unsere Kinder gestärkt werden und ihren Weg gehen?

Das schaffen wir, indem wir Eltern uns mit unserer Angst auseinandersetzen und sie nicht auf unsere Kinder übertragen. Das dauert meistens so lange wie die Schulzeit. Oder Eltern holen sich vorab Hilfe z. B., indem sie miteinander reden über ihre Angst: „Dass aus meinem Kind nichts wird, nur weil es ein schlechtes Zeugnis hat oder die Versetzung nicht stattfindet“ Das sind verständliche Ängste junger Eltern die „Erziehung“ zum ersten Mal machen. Alle die Erfahrung mit 4 und mehr Kindern haben, die sich beruflich mit Kindern beschäftigen wissen: Nach der Angst kommt die Ruhe, denn das Leben ist viel größer als ein schlechtes Zeugnis oder eine Nichtversetzung.

Unser schulischer Umgang mit Kindern zeigt nur, dass wir noch ganz am Anfang einer demokratisch, gleichwürdigen Gesellschaft stehen. Wir tun immer noch so als ob Kultusministerien, Schule und Lehrerschaft nicht die Verantwortung für die Ergebnisse zu tragen hätten die die Kinder produzieren. Wir tun immer noch so als ob Kinder schon faul in die Schule kämen, das ist gelogen, sie wollten alle was wissen und viel lernen. Wenn sie das heute nicht mehr tun, dann sind wir Eltern in der Verantwortung, nicht mit Schimpfen über ein schlechtes Zeugnis, sondern mit freundlicher, deutlicher Kritik an Kultusministerien, Schule und Lehrerschaft.

Denn viele unsere Schulen sind Ausleseinstitutionen, die zu viele schwächen und zu wenige starkmachen, die sich dafür verantwortlich fühlen, dass Inhalte präsentiert werden, nicht, dass diese Inhalte verstanden werden von den Kindern. Denn dafür bräuchte es eine neue Beziehungskultur, auf die noch keiner vorbereitet ist.

Mathias Voelchert • bimw.de